Telšiai

Am 17. Oktober 1979 kam in die Sakristei der Kathedrale von Telšiai, während des Dienstes des Priesters Jonas Kauneckas, ein Mitarbeiter des Ministerrates der Litauischen SSR — der führende Atheist Pranas Mišutis. Er befragte den Priester J. Kauneckas, ob dies sein erster Arbeitsplatz sei, es schiene so, daß er als Pfarrer von Viešvėnai tätig gewesen wäre. Priester Kauneckas erklärte, daß er in der Ge­meinde Viešvėnai nur zeitweise ausgeholfen habe.

Danach erzählte Mišutis, daß er selbst Meßdiener gewesen sei, den Glauben hätte er aber aufgrund schlechter Pfarrer verloren. Dennoch hätte er gute Bekannte, die Pfarrer wären und mit denen er ein herzliches Verhältnis hätte. Er gab zu, daß die Sowjetregierung hinsichtlich der Kirche Fehler gemacht hätte: in Rußland wären grundlos orthodoxe Kirchen geschlossen worden, in Vilnius und Kaunas hätte man weniger Kirchen schließen können, aber zur Zeit wären ja reichlich davon vorhanden. — Man muß zugeben, daß in Litauen weniger Kirchen geschlossen sind als anderswo: Sniečkus hätte die Kirchen direkt verteidigt, und das täten auch Litauens Atheisten. Auch jetzt wären Litauens Kirchen renoviert, würden geheizt, solche hätte es nicht einmal in der Vorkriegszeit gegeben. Danach hätte Mišutis Pfarrer J. Kauneckas befragt, womit er nicht zufrieden sei — die meisten Pfarrer hätten doch kleinere Kraftfahrzeuge und würden alle gut leben. Am meisten mißfiel dem Gast aus Vilnius, daß Pfarrer Kauneckas den Atheismus und das atheistische Leben kritisierte. Nach seinen Worten sei die Qualität des Lehrens schlecht, weil alle, auch Nichtbegabte, einen mittleren Bil­dungsstand erreichen müssen. Nicht alle sind lernfähig, und ein Teil der Unfähi­gen versucht sogar in höheren Schulen unterzukommen. Mišutis nennt die Predigt des Pfarrers Kauneckas vom 15. September 1979 in Šiluva, in der er, der Atheist, als Lügner geschimpft wird, den Gipfel der Frechheit. (Der Priester J. Kauneckas benannte in seiner Predigt in Šiluva Mišutis in Zusammenhang mit dessen Buch »Religion, Kirche, Atheismus« einen Lügner. Darin nämlich bekräftigt Mišutis, daß im Schuljahr 1975/76 kaum 8% Kinder das Sakrament der Firmung ange­nommen hätten. Dies ist reine Lüge: in Litauen werden im Jahr 50000—60000 Kinder geboren. 8% wären nur 5000. Allein in der Diözese Telšiai haben aber 1978 11 000, 1979 8000 Kinder das Sakrament der Firmung erhalten, und in Li­tauen gibt es 6 Diözesen. Mišutis schreibt, daß 1977 an dem Kirchweihfest in Šilu­va nur 1600 Menschen teilnahmen. Währenddessen gingen schon allein zehnmal mehr zur heiligen Kommunion. 1979 waren es z. B. 4800. Solche Lügen auf fast jeder Seite.)

Der verantwortliche Mitarbeiter des Ministerrates der Litauischen SSR, Mišutis, fing grundlos an zu rufen: »Pfarrer Kauneckas, du Teufel, du Pfarrer des Teu­fels! Wage es nicht, die Tätigkeit des Komitees zur Verteidigung der Rechte der Gläubigen mit dem Kampf des Priesters Ant. Mackevičius zu vergleichen. Ihr wollt Märtyrer des Glaubens sein, aber daraus wird nichts. Mit dir werden wir übereinkommen, du wirst auf den Stuhl gesetzt, und niemand wird etwas davon erfahren.« So rufend lief er zur Tür hinaus.

Nach einiger Zeit kam er zurück und entschuldigte sich, er habe sich sehr aufge­regt, aber nach kurzer Zeit begann er wieder wütend zu schreien: »Erfährt der Va­tikan von diesem Gespräch?« Der Priester Kauneckas erwiderte, er werde den Menschen darüber erzählen, so sei es natürlich auch möglich, daß auch der Vati­kan irgendwie darüber erfährt.

»Verstell dich nicht, du selbst bist einer der Hauptinformatoren des Vatikans. Du solltest wissen, daß unsere Geduld eines Tages zu Ende ist. Überleg mal! Wenn du es dir überlegt hast, ruf mich im Ministerrat an, schreib. Falls nicht, wird in den Zeitungen über dich berichtet werden. Ich selbst werde einen Artikel über dich schreiben.« Pfarrer Kauneckas lachte: »Für solche Artikel danken wir Ih­nen. Solche Artikel, wie z. B. in der Zeitung >Die Wahrheit<, über den Priester Svarinskas, verstärken nur noch den Glauben der Menschen. Die Menschen un­terscheiden sehr wohl die Lüge von der Wahrheit.«

Das Geschrei von P. Mišutis hörten die Gläubigen, die sich zu der Zeit in der Ka­thedrale zum Beten versammelt hatten. Es ist deutlich zu erkennen, daß P. Mišu­tis nicht fähig ist, sich unter Kontrolle zu halten, denn als er am 16. Oktober mit dem Ortsvorsteher von Viešvėnai, Bargaila, die Kirche und dessen Räume inspi­zierte und sich an den Pfarrer Kauneckas erinnerte, fluchte er. Herr Savickis, Mit­glied des kirchlichen Komitees, verwarnte ihn: »Sie kommen zwar vom Minister­rat, doch sollten sie wissen, daß man in kirchlichen Räumlichkeiten nicht fluchen darf.«

Am 18. Oktober 1979 besuchte P. Mišutis die Priester in Plungė und geriet dort mit dem Pfarrer Alminas in Streit.

 

Varputėnai, Kreis Šauliai

Am 12. Dezember 1976 erhielt der Pfarrer von Varputėnai ein Schreiben aus dem Umkreis mit folgenden Inhalt (Nr. 115): An den Priester der Kirche von Varputėnai

Das Exekutivkomitee des Kreisrates in Macaičiai bittet Sie, die beiliegenden For­mulare Nr. 1 und 2 an das Exekutivkomitee bis zum 1. Januar 1977 ausgefüllt zu­rückzuschicken. Wenn Sie die Formulare ausgefüllt haben, bitten wir Sie

1.     den Inhalt der Predigt zu schildern,

2.     worauf wurde während der Predigt am meisten geachtet,

3.     und was wird von den Gläubigen verlangt.

4.     Analysieren Sie, nach Ausfüllung des Formulares Nr. 1, die Gründe für die Zu-und Abnahme der religiösen Dienste.

5.     Zeigen Sie bitte gesondert auf, wie viele Menschen sich während der Weih­nachtspredigt in der Kirche aufgehalten haben,

6.     welchen Inhalt hatte die Predigt.

7.     Erläutern Sie, nach Ausfüllung des Formulares Nr. 2, die Gründe der Zu- und Abnahme der Einkünfte.

Legen Sie die Listen des Exekutivorgans und der Revisionskommission bei und ebenso die Personalien über den Priester: Nachname, Name, Name des Vaters, Geburtsdatum, in welchem Jahr erfolgte der Abschluß des Priesterseminars.

(Unterschrift)

Der Vorsitzende des Exekutivkomitees des Kreises Macaičiai.

 

Kupiškis

Im August dieses Jahres, in der Nacht vom 25. zum 26., haben unbekannte Täter auf dem Friedhof von Kupiškis in der Lourdes-Grotte, die vom Krieg verschont geblieben war, die Hände der Maria-Statue abgeschlagen. Vor einigen Jahren hat jemand den Rosenkranz abgerissen, und nun wagt man sogar, die Statue selbst zu beschädigen.

Seit 1932 ist diese Lourdes-Grotte das Zentrum dieses Friedhofes, sie schmückt ihn und erfreute die Einwohner von Kupiškis, und jetzt ist sie von irgendwelchen Übeltätern, zum Leid der Gläubigen, beschädigt worden. Die Gläubigen, die von diesem Ereignis erfahren haben, waren tief erschüttert. Sie eilten zum Friedhof und legten Blumen zu Füßen Marias nieder. Niemals vorher waren in der Grotte so viele Blumen, wie jetzt!

 

Kirdeikiai, Kreis Utena

Am 17. Oktober d. J. kam der Ortsvorsitzende von Saldutiškis um 11.20 Uhr zu dem Pfarrer von Kirdeikiai, Petras Kražauskas. Vorsitzender Šapranauskas er­klärte, daß um 12.00 Uhr die Leiterin der Finanzabteilung aus dem Bezirk Utena käme und daß man in der Kirche eine Revision vornehmen würde, deswegen müs­se der Pfarrer die Kirche öffnen. Um 12.00 Uhr erschien der Vorsitzende Šapra­nauskas, die Leiterin der Finanzabteilung und zwei Atheisten, Mitglieder eines

Kirchenkomitees, Anupras Kirka und Juozas Kindurys (die anderen Mitglieder dieses Komitees kamen nicht). Der Pfarrer ließ den Vorsitzenden und die Finanz­leiterin in die Kirche, und den Mitgliedern des atheistischen Komitees befahl er, draußen zu warten. Der Ortsvorsitzende erklärte, daß sie den Pfarrer nicht stören würden, er möge nur die Kirchentür öffnen. Da fragte der Pfarrer: »Habt Ihr eine Sanktion zur Durchsuchung der Kirche?« —»Was für eine Sanktion?« wunderte sich der Vorsitzende, »das Komitee selbst möchte den Kirchenbesitz kontrollie­ren, wir vermitteln nur.« Dann begann der Priester anders zu reden: »Erstens ein­mal habt Ihr keine Erlaubnis, nur eine Überprüfung vorzunehmen. Zweitens, Eu­ren Wunsch habt Ihr erst vor einer halben Stunde geäußert, und in dieser Zeit konnte ich das Kirchenkomitee nicht hinzubitten.« Der Vorsitzende Šapranaus­kas wies darauf hin, daß sich das Kirchenkomitee doch hier befände. Der Pfarrer setzte fort: »Das ist nicht das Kirchenkomitee, sondern Euer eigenes, d. h. eines von Euch Atheisten gebildetes. Wenn Sie, Herr Vorsitzender, Pfarrer der Gemein­de Kirdeikiai werden, und der stellvertretende Vorsitzende des Kreisexekutivko­mitees, Labanauskas, Bischof wird, dann könnt Ihr mit Eurem Komitee die Lei­tung der Kirche übernehmen. Drittens, Sie wissen sicherlich, daß im vorigen Jahr mehr als 500 Priester ein Schriftstück unterschrieben haben, das dazu auffordert, die atheistischen Gesetze nicht zu befolgen, die dem Kirchenrecht widersprechen. Viertens, Sie, Herr Vorsitzender, kennen bestimmt die Konstitution, in der gesagt wird, daß sich der Staat in die inneren Kirchenangelegenheiten nicht einmischt, so seien Sie so nett, und halten Sie sich an das, was geschrieben steht. Diese erwähn­ten Umstände geben mir nicht das Recht, diese Überprüfung zuzulassen. Außer­dem wurde in diesem Jahr, am 1. August, eine Inventur vom Kirchenkomitee durchgeführt.«

So endete die »Überprüfung« des Kirchengutes!

 

Kapčiamiestis, Kreis Lazdijai

Am Abend des 12. Oktober 1979 richteten die Atheisten auf dem alten Friedhof von Kapčiamiestis die Kreuze wieder auf, die von Unbekannten abgerissen wor­den waren. Die Aufsicht der Wiederherstellung der Kreuze hatte der Kreisvorsit­zende Stasys Sabalius, es arbeiteten die Parteimitglieder Stankevičius, Juodeška u. a.

Es ist ein zweifelloser Sieg der Gläubigen, daß die Sowjetregierung ihren Mitarbei­tern die Wiederherstellung der von den Atheisten zerstörten Kreuze befiehlt.

1977 verlangte das Exekutivkomitee des Kreises Lazdijai, daß das Gemeindeko­mitee von Kapčiamiestis einen, von der Sowjetregierung erdachten, antikirchli­chen »Vertrag« unterschreiben solle. Das Gemeindekomitee zögerte. Dann er­mahnte der Dekan und Priester von Lazdijai, Vaclovas Strimaitis, der von der Regierung angestachelt wurde, den Pfarrer Ignas Plioraitis von Kapčiamiestis, endlich die Initiative zu ergreifen und den Vertragsabschluß zu beschleunigen. Der Dekan versuchte zu beweisen, daß dieses eine gute und wichtige Angelegen­heit sei! — Niemand beachtete die Bitten des Dekans, da die Inspiration dieser Bitten nicht von der Kirche, sondern von der atheistischen Regierung kam. Der stellvertretende Vorsitzende des Kreisexekutivkomitees, Vanagas, forderte den Pfarrer und das Kirchenkomitee viele Male persönlich dazu auf, den Vertrag schneller zu unterschreiben, aber in dieser Angelegenheit kam man keinen Schritt weiter.

Am 31. März 1978 rief der Dekan aus Lazdijai an und forderte nicht nur zum endgültigen Vertragsabschluß auf, sondern bot dem Priester Plioraitis an, ihn zum Exekutivkomitee zu begleiten, damit er sich für die Unstimmigkeiten bei der Regierung entschuldige. Das wenigstens nennt man »Eifer«!

Am 24. Mai 1978 kam der Bevollmächtigte des Rates für religiöse Angelegenhei­ten, Tumėnas, persönlich nach Kapčiamiestis und forderte den Gemeindepfarrer auf, ihm bei der Vertragsunterzeichnung zu helfen. In höflicher Form ängstigte der Bevollmächtigte den Pfarrer, wenn es nicht zur Unterzeichnung des Vertrages käme, müsse man die Kirche schließen, oder die Ortsregierung würde auf eigene Initiative Leute finden, die den Vertrag unterschreiben würden. Am 16. April 1979 erkundigte sich der Dekan Strimaitis aus Lazdijai bei dem Pfarrer aus Kapčiamiestis wiederholt nach dem Kirchenkomitee der Gemeinde und ob das Komitee von der Regierung bestätigt worden wäre? Im Mai rief der Stellvertreter des Bezirkes, Vanagas, einige Gläubige aus Kapčia­miestis zusammen und redete auf sie ein, endlich den Vertrag zu unterzeichnen.

Am 4. August 1979 moralisierte der Dekan Strimaitis den Priester Plioraitis fol­gendermaßen: »In deiner Gemeinde herrscht immer noch Unordnung, du hast bisher die Verträge immer noch nicht abgeschlossen und es versäumt, zwanzig Unterschriften zu sammeln. Andauernd werde ich von dem Stellvertretenden des Bezirkes, Vanagas, verlangt, erst kürzlich hat er mich darauf aufmerksam ge­macht, daß die Gläubigen aus Kapčiamiestis immer noch keine Verträge abge­schlossen hätten. Also, beendige diese Angelegenheit schnellstens. Geh zu Va­nagas, unterhalte dich mit ihm, entschuldige dich für die Ungereimtheiten und versprich ihm, alles schnell zu erledigen. Man soll nicht auf irgendwelche Erleich­terungen von der Regierung warten.«

Im September 1979 lud der Stellvertreter des Kreises Lazdijai, Vanagas, alle Prie­ster des Bezirkes zu sich ein und erzählte ihnen über die Ökonomie in diesem Be­zirk. Danach erwähnte er, daß die Priester Zdebskis und Plioraitis bisher noch keine Unterschriften gesammelt und die Verträge nicht unterschrieben hätten. Die Priester würden sich nicht an die sowjetischen Gesetze halten, sie lassen es zu, daß die Kinder in der Messe dienen und an Prozessionen teilnehmen. Am 4. Oktober lud der Stellvertreter Vanagas zu einer Sitzung aller Komitees der Gemeinde in das Kreisexekutivkomitee ein und erläuterte ihnen folgende Forde­rungen:

—         nur das Komitee ist berechtigt, Geld von den Gläubigen zu sammeln;

—         die Kinder dürfen nicht an den Altar gelassen werden;

—         das Sammeln von Kaienden ist den Priestern verboten;

—         das Vermitteln des Glaubensrechtes an Kinder ist untersagt;

—         über Priester, die an Kirchweihfesten und Exerzitien teilnehmen, ist Bericht zu erstatten.

Dieser kurzen Rede des Stellvertreters widersetzten sich die Leute und begannen zu widersprechen. Vanagas, sichtlich erregt, schrie: »Schluß mit diesem Gerede!« Dem Plioraitis aus Kapčiamiestis wurden wieder die nicht erfolgte Kircheninven­tur und die nicht unterschriebenen Verträge vorgeworfen. Kapčiamiestis bittet nie um die Erlaubnis für das Kirchweihfest. Er wunderte sich über die Haltung der Einwohner von Kapčiamiestis und bemerkte: »Als auf dem alten Friedhof je­mand zwei Denkmäler umstürzte, da fanden sich viele Unterschriften, und diese Erklärung wurde sogar an das Ministerium geschickt, aber wenn es um das Aus­füllen der Vertragsformulare geht, die von nur zwanzig Leuten unterschrieben werden müssen, dann ist plötzlich keiner mehr da!«

Am 18. Oktober 1979 wurde der Priester Plioraitis in den Bezirk gerufen. Vana­gas forderte ihn auf, die »Verträge« schneller zu unterschreiben, und über das laufende Kirchweihfest zu berichten. Er warf ihm vor, das Kreuz an der Kirche von Paveisninkai, das ohne Genehmigung der Regierung errichtet worden war, gesegnet zu haben. Der Priester Plioraitis entgegnete, man habe noch nie gehört, daß in der Regierungszeit der Sowjetherrschaft eine ähnliche Genehmigung an je­manden erteilt worden wäre?

 

Nach Meinung von Vanagas ist die gegenwärtige Kirchenlage normal, fast alle Priester und Gläubige wären zufrieden, nur der eine oder andere wäre ein Besser­wisser. Aber diese Hitzköpfe würden von den Priestern und Gläubigen selbst zer­treten werden, und die Ordnung wäre dann hergestellt.

 

Kučiūnai

Am 8. September 1978, um 23.00 Uhr, sind Übeltäter in die Kirche von Kučiūnai eingedrungen. Der Pfarrer hörte um Mitternacht jemanden auf dem Dachboden gehen. Sofort rief er telefonisch die Nachbarn zusammen, und zirka 30 Leute um­stellten die Kirche. Die hinzugezogene Miliz holte aus dem Dachboden zwei Ver­brecher hervor. Es waren die volljährigen Komsomolzen — der Sohn des Vorsit­zenden des Umkreises, Kęstas Kočiūnas, und Rimas Sirutis. Sie sagten, sie hätten im Keller der Kirche nach »Waffen von Banditen und einem Radiosender« ge­sucht.

Die erste Gerichtsverhandlung fand am 15. Dezember 1978 statt. Die Prozeßakte war offenkundig so schlecht vorbereitet worden, daß der Richter gezwungen war, die Verhandlung zu vertagen. Die zweite Gerichtsverhandlung fand am 21. März in Druskininkai statt. Die Verhandlung führte der Richter Burokas; es versam­melten sich ungefähr 300 Leute. Während der Vernehmungen wurde deutlich, daß die ersten Angaben der Schuldigen, die primäre Akte der Miliz und einige Vernehmungsprotokolle der Zeugen abhanden gekommen waren. In der Prozeß­akte waren viele Ausbesserungen vorgenommen worden. Die Gerichtsverhand­lung wurde abermals vertagt.

Am 29. Mai 1979 kam es zur dritten Prozeßverhandlung in Druskininkai. Das Gericht verurteilte Rimas Sirutis zu anderthalb Jahren Strafverbüßung auf öffent­lichen Bauten; Kęstas Kočiūnas verurteilte man zu anderthalb Jahren Lagerhaft mit strengem Regime. — Das beschädigte Kirchengut wurde nur auf 40 Rubel ein­geschätzt. Diese Angelegenheit wurde vom Gericht nicht weiter beachtet. In Wirklichkeit wurde der Kirche ein Schaden von ungefähr 500 Rubel zugefügt. So bestraft »die sowjetische Gerechtigkeit« die Komsomolzen. Mit diesem Prozeß kann man die Gerichtsverhandlungen der Katholiken, die für ihre Presse verur­teilt werden, vergleichen, da kommen nie Protokolle abhanden und niemals wer­den die Prozeßakten von den Mäusen angenagt.

 

Žalioji, Kreis Vilkaviškis

Am 24. Oktober 1979 versuchte der stellvertretende Vorsitzende des Exekutivko­mitees im Bezirk Vilkaviškis, Urbonas, Frau Kazimiera Bubnaitienė zu überre­den, die hl. Messe von einem Priester nicht mehr auf dem Gemeindefriedhof von Žalioji abhalten zu lassen. Wenn die Messe dort trotzdem gelesen werden wür­de, müsse man Frau Bubnaitienė an die entsprechenden Instanzen übergeben. Die Frau ließ sich nicht irritieren und sagte: »Gebt uns unsere Kirche zurück, und wir werden nicht mehr auf dem Friedhof beten!«

 

Prienai

Am 17. Oktober 1979 errichteten die Einwohner von Prienai auf dem Kvietenio-Berg wieder ein Kreuz mit der Aufschrift: »Nur mit Liebe und durch Opfer wird unser Volk gerettet werden!« Am Abend des 4. Dezember rissen die Atheisten, unter der Leitung des Vorsitzenden des Exekutivkomitees der Stadt Prienai, Ku­činskas, das Kreuz nieder und verschleppten es an einen unbekannten Ort.