Der Redaktion der »Chronik der LKK« ist es gelungen, einen nicht geringen Teil der Erklärungen zusammenzutragen, die aus Protest gegen die Ver­haftung des Priesters A. Svarinskas von den Gläubigen Litauens an die verschiedensten Behörden Litauens oder der Sowjetunion geschickt oder gebracht worden sind. Die anschließend wiedergegebenen Erklärungen und Auszüge aus Erklärungen werden helfen, sich ein ungefähres Bild zu ver­schaffen, wie das gläubige Volk nach der Festnahme seines wertvollen Priesters reagiert hat.

Die Gläubigen von Prienai schreiben in ihrem Protest, adressiert an den Generalsekretär der KPSU Andropow, unter anderem: »Wir, die Gläubigen der Pfarrei Prienai, erleben mit großen Schmerzen die Verhaftung des Pfarrers der Pfarrei Viduklė und des Mitgliedes des Ko­mitees der Katholiken zur Verteidigung der Rechte der Gläubigen, des Priesters Alfonsas Svarinskas, und protestieren gegen seine Verhaftung und gegen die Anklage wegen antikonstitutioneller und antisowjetischer Tätig­keit (...).

Angesichts dieser schmerzlichen Tatsache erklären wir, daß wir die Priester unseres Volkes verteidigt haben und auch verteidigen werden, indem wir Gott bitten, daß sie mutig seien, auch weiterhin die Wahrheit, Gott und die Angelegenheiten der Kirche, wie auch die unseren, der Gläubigen, zu ver­teidigen.

Hände weg von Priester Alf. Svarinskas!«

Diese Erklärung unterschrieben 1305 Gläubige.

510 Gläubige von Igliauka schrieben in ihrer Erklärung an den Staatsanwalt der SSR Litauen:

»Am 27. Januar 1983 gab »Tiesa« (»Die Wahrheit«) bekannt, daß gegen den Pfarrer der Pfarrei Viduklė, Priester Alfonsas Svarinskas, ein Straf­prozeß eingeleitet ist. Als wir diese Nachricht lasen, war Priester A. Sva­rinskas bereits verhaftet und eingekerkert.

Weswegen wurde dieser Priester verhaftet?

Die Presse behauptet, Priester A. Svarinskas habe seinen Stand als Geist­licher mißbraucht und antisowjetische und antikonstitutionelle Tätigkeit getrieben. Wir sind aber tief überzeugt, daß diese Anschuldigung mit nichts begründet ist.

Der Priester A. Svarinskas ist uns gut bekannt, weil er fünf Jahre lang in Igliauka als Pfarrer tätig gewesen ist. Wir erinnern uns alle seiner in Ehren als eines beispielhaften, eifrigen, seiner Arbeit ergebenen Priesters, der allen gegenüber feinfühlig, herzlich und väterlich war. Ihn zu verachten, anzuschwärzen und zu einem Verbrecher zu machen, wird niemandem und niemals gelingen.

Wir wissen sehr gut, daß der Priester Alf. Svarinskas deswegen denen miß­fallen hat, die in Litauen gegen die Kirche kämpfen, weil er Mitglied des Komitees der Katholiken zur Verteidigung der Rechte der Gäubigen war und die Rechte der Gläubigen verteidigte, damit diese nicht diskriminiert werden.

Ist das vielleicht ein Verbrechen? Ist das eine antistaatliche Tätigkeit? Nie­mals! Der Priester Alf. Svarinskas ist auch dazu Priester geworden, daß er die Gläubigen führe, sie belehre, ihnen diene und ihre Rechte verteidige. Dies sollte jeder gewissenhafte Priester tun.

Die Verhaftung des Priesters Alf. Svarinskas — dieses edlen Menschen und von allen geliebten geistigen Führers — betrachten wir als eine gegen uns alle, die Gläubigen gerichtete Verfolgung.

Wir protestieren entschlossen gegen die Verhaftung und ungerechte An­schuldigung des Priesters Alfonsas Svarinskas und verlangen, daß er frei­gelassen und der gegen ihn erhobene Strafprozeß aufgehoben wird.

Freiheit für Priester Alfonsas Svarinskas!«

Šiauliai

An den Ministerrat der SSR Litauen

Am 26. Januar 1983 wurde in Raseiniai das in der breiten Öffentlichkeit gut bekannte und verehrte Mitglied des Komitees der Katholiken zur Ver­teidigung der Rechte der Gläubigen, der Pfarrer von Viduklė Priester Alfonsas Svarinskas, auf eine hinterlistige Weise festgenommen.

Aus einer kurzen Information in der »Tiesa« (»Die Wahrheit«) und den Exzessen in der Lokalpresse ist ersichtlich, daß gegen den Priester Alf. Svarinskas ein Prozeß fabriziert wird. Man will mit ihm fertig werden, indem man sich hinter einem Schleier von sowjetischen Gesetzen verbirgt.

Dies alles würde kein Erstaunen hervorrufen, denn das ist ja nicht mehr der erste »Hexenprozeß« im Litauen der Nachkriegs jähre... Die Verfol­gung des Priesters Alf. Svarinskas hat trotzdem in der Öffentlichkeit eine große Unruhe und Sorge hervorgerufen, weil den Regierungsgottlosen solche Möglichkeiten gegeben werden, mit ihren ideologischen Gegnern fertig zu werden.

Wir kennen den Priester Alf. Svarinskas als einen anständigen Menschen und Bürger, treu der Kirche und Litauen ergeben, der die Menschenrechte mit offenem Gesicht verteidigt, der mit Lüge und Gewalt, gleichgültig mit welchen Farben oder Parolen sie zugedeckt wären, nicht einig werden kann. Wir wenden uns an den Ministerrat mit dem Wunsch, die gegen Priester Alf. Svarinskas erhobene Hand der Strafenden anzuhalten, damit in der schmerzvollen Geschichte unseres Volkes nicht noch ein Blatt der Schand­taten vollgeschrieben werden muß, die das Gericht der Geschichte des mor­gigen Tages feststellen wird.

Freiheit für Priester Alfonsas Svarinskas!

Im Februar 1983.        Es unterzeichneten 1222 Gläubige

 

In der Pfarrei Griškabūdis unterzeichneten etwa 200 Gläubige eine Erklä­rung an den Staatsanwalt der SSR Litauen mit folgendem Inhalt:

»Als wir von der Festnahme des Pfarrers der Pfarrei Viduklė Priester Alf. Svarinskas erfahren haben, fügte diese Tatsache uns, den Gläubigen, nicht nur einen großen Schmerz, sondern auch eine tiefe Beleidigung zu, weil die Regierung, die die Religionsfreiheit proklamiert, wieder beginnt, derartig grausame Maßnahmen der Vernichtung der Priester zu ergreifen.

Alle Anschuldigungen gegen den Priester Alf. Svarinskas, die die Presse veröffentlicht hat (antisowjetische und antikonstitutionelle Tätigkeit) be­trachten wir als eine Standardanschuldigung der Regierung gegen die ge­samte Geistlichkeit, besonders aber gegen die Priester, die Mitglieder des Komitees der Katholiken zur Verteidigung der Rechte der Gläubigen sind.

Diese Standardanschuldigungen gegen den Priester Alf. Svarinskas betrach­ten wir als einen reinen Propagandaschrei der Regierung, den verhafteten Priester aber als gerecht und unschuldig.

Deswegen verlangen wir, das gläubige Volk, Priester Alf. Svarinskas frei­zulassen!

Freiheit für Priester Alf. Svarinskas!«

Diese Erklärung mit Unterschriften wurde von den Mitarbeitern des KGB in der Kirche von Griškabūdas, wo die Unterschriften gesammelt wurden, beschlagnahmt. Die Sammlerin der Unterschriften wurde festgenommen und verhört. Der Pfarrer von Griškabūdis Priester Vyt. Užkuraitis mußte sich in der Staatsanwaltschaft von Šakiai rechtfertigen, weil er das Sammeln der Unterschriften organisiert haben soll.

 

Die Freiheit für den Priester Alf. Svarinskas fordernd, unterzeichneten die Gläubigen jeweils mit ihren Unterschriften:

in Kapsukas 2185        in Jonava 436

in Vilnius 1216        in Vievis 438

in Kėdainiai 1140        in Šėta 89

in Mažeikiai 985        in Radviliškis 436

in Leižuva 65        in Pagiriai 111

in Leckava 50        in Skriaudžiai 121

in Miroslavas 551        in Šilutė 465

in Simnas 468        in Tauragė 400

in Šventežeris 252        in Pašilė 391

in Gerdašiai 51        in Seda 353

in Šiluva 208        in Tirkšliai 224

in Garliava 520        in Eigirdžiai 76
in Tabariškės 182

in Vilkija 171        in Kaunas 3759

in Druskininkai 530        in Alytus 1066

in Raseiniai 530        in Kybartai 914

in Šiauliai 287        in Tverai 109

in Nedingė 359        in Ylakiai 290

in Kalpiai 219        in Kazlų Rūda 328

in Anykščiai 232        in Vištytis 103

in Luokė 332        in Seirijai 250

in Perloja 499        in Liškiava 106

in Lauksoda 121        in Pilviškiai 303

in Užuguostis 70

vin Kupiškis 1244        in Ukmergė 704

in Panevėžys 1578        in Ramygala 310

in Telšiai 2340        in Šeštokai 364

in Nevarėnai 97        in Šeduva 725

in Vėkšniai 265        in Tytuvėnai 185

in Sasnava 276        in Veiveriai 124

in Patilčiai 52        in Švėkšna 617

in Pažėrai 146        in Dotnuva 189

in Lazdijai 371        in Kretinga 887

in Skardipiai 32        in Palanga 400

in Kapčiamiestis 143        in Viešvėnai 80

Der Untersuchungsrichter des Priesters Alfonsas Svarinskas, Bičkauskas, behauptet, daß der Anklageparagraph für den Verhafteten geändert sei. Jetzt wird er gemäß § 63 Teil 2 des StGB der LSSR angeklagt. Die Maxi­malstrafe sind 7 Jahre Lager und 5 Jahre Verbannung. Mit dem Prozeß ist kaum vor Oktober zu rechnen.

In Litauen werden weiter unter den gläubigen Laien und unter den Priestern Unterschriften für Priester Alf. Svarinskas gesammelt und Freiheit für ihn verlangt. Die Regierungsbeamten erklären, daß das nichts helfen werde. Ob es helfen wird oder nicht — das ist eine Frage zweiten Ranges, das wichtigste ist, daß sich das gläubige Volk solidarisch hinter den stellt, der ihm kostbar ist. Und noch mehr. Jede Unterschrift für Priester Alfonsas Svarinskas — das ist eine persönliche Entscheidung für die Ideen, denen dieser eifrige Priester sein ganzes Leben geweiht hat.

*

Das Komitee der Katholiken zur Verteidigung der Rechte der Gläubigen 31. 1. 1983

Nr. 53.

An den Generalsekretär der KPSU Jurij Andropow Abschrift: An den Staatsanwalt der LSSR.

Am 26. Januar 1983 wurde der Pfarrer von Viduklė Priester Alfonsas Svarinskas verhaftet. Bei dem Pfarrer von Valkininkai Priester Algimantas Keina und dem Vikar von Telšiai Priester Jonas Kauneckas wurden Haus­durchsuchungen gemacht. Da alle diese Priester dem Komitee der Katho­liken zur Verteidigung der Rechte der Gläubigen angehören, ist dies ein Zeichen, daß eine Aktion gegen das Komitee der Katholiken zur Verteidi­gung der Rechte der Gläubigen begonnen wurde.

Wir protestieren gegen diese Tätigkeit der Staatsanwaltschaft der LSSR, und besonders gegen die Verhaftung des Priesters Alf. Svarinskas, da weder in der Tätigkeit des Komitees der Katholiken noch in der persönlichen Tätigkeit des Priesters Alf. Svarinskas irgendetwas Antistaatliches oder Antikonstitutionelles gewesen ist.

Wir unterstreichen abermals, daß es das Ziel des Komitees der Katholiken ist, dafür zu sorgen, daß die Gläubigen in Litauen mindestens so viele Rechte bekommen wie die von der Regierung unterstützten gegen die Kirche kämp­fenden Atheisten Litauens haben. Kann man also diese Tätigkeit als anti­konstitutionell betrachten, wenn die Verfassung der UdSSR allen Bürgern unabhängig von Nationalität, von Rasse wie auch von Religion gleiche Rechte garantiert (Art. 34)?

Die Verhaftung des Priesters Alf. Svarinskas hat ein riesiges Ärgernis bei den Gläubigen hervorgerufen. Die Gläubigen, die die Mehrheit der Ein­wohner der SSR Litauen ausmachen, fragen: Was bedeutet das, wenn die fleißigsten Priester verhaftet werden? Ist das vielleicht eine Ansage eines offenen Kampfes gegen die Kirche?

F. Engels nannte im Jahre 1874 den offenen Kampf gegen die Religion eine Dummheit und behauptete, daß das die beste Art und Weise sei, das Interesse an der Religion wiederzubeleben. Lenin lobte diese seine Ge­danken (Lenin, Schriften, Band 17, Seite 415 — 426). Die gerichtliche Ver­folgung des Priesters Alf. Svarinskas wird die Gedanken von Engels und Lenin bestätigen, wie sie vor 11 Jahren die Prozesse der drei Priester Juozas Zdebskis, Prosperas Bubnys und Antanas Šeškevičius bestätigt haben: Seit der Zeit begann die Katholische Kirche in Litauen wiederaufzuleben.

Die Mitglieder des Komitees der Katholiken zur Verteidigung der Rechte der Gläubigen:

Dozent Vytautas Skuodis (im Lager) Priester: Alfonsas Svarinskas (im Gefängnis)

Leonas Kalinauskas

Jonas Kauneckas

Algimantas Keine

Vaclovas Stakėnas

Sigitas Tamkevičius

Vincas Vėlavičius

Kazimieras Žilys

 

An den Vorsteher des Sicherheitskomitees zu Vilnius Erklärung

Sogar die SS-Leute der Nazis haben, obwohl sie für besonders grausam gehalten werden, für die zum Tode verurteilten Gefangenen Geiseln ange­nommen. Allen ist der Fall bekannt, daß im Lager Oswenecim (Auschwitz) der Priester M. Kolbe als Geisel für einen zum Tode verurteilten Vater einer großen Familie den Hungertod gestorben ist.

Ihr nennt Euch die Vertreter des menschlichsten Staates der Welt, deswegen wenden wir uns an Euch und bitten Euch, uns als Geisel für den Priester der Katholischen Kirche Alfonsas Svarinskas anzunehmen.

Wir, die wir uns unten in einer Liste eintragen, sind bereit, für Priester Alf. Svarinskas als Geisel ins Gefängnis oder in ein Arbeitslager zu gehen.

Wir bitten unsere Erklärung zu berücksichtigen.

Gavėnaitė Monika Petkevičienė Jadvyga

Saukienė Marija Staelytė Jadvyga Teresiūtė Regina Navickaitė Joana Raižytė Aldona Rekašius Arūnas Kelpšas Saulius

Viduklė, Šaltinio 1 Šiauliai

Viduklė, Gėlių g.

Kaunas, 16 divizijos 56 a-39

Stadt Kelmė

Kulautuva

Dorf Teleišiai

Garliava, Ramybės 14

Garliava, Pažangos 11.

 

An den Generalsekretär der KPSU Andropow J. W. 

Erklärung

der Priester der Diözese Telšiai, LSSR, 235610 Telšiai, Spaudos 2 Kurie der Diözese Telšiai

Nach der Festnahme des Pfarrers von Viduklė Alfonsas Svarinskas am 26. Januar dieses Jahres verstärkten sich die Maßnahmen gegen die Katholische Kirche Litauens. In den Rayonzeitungen werden die Priester als antisowje­tische Politikmacher und Extremisten bescholten. In den Versammlungen, die in den Betrieben, Ämtern und Schulen abgehalten werden, werden man­che der Priester verleumdet, indem man ihnen nie dagewesene Vergehen andichtet. Alle Priester werden offensichtlich beobachtet, und bei den Prie­stern A. Šeškevičius, J. Kauneckas und A. Keina sind in den Wohnungen Durchsuchungen gemacht worden.

Dem Priester Alf. Svarinskas wurde »wegen der antikonstitutionellen Tätig­keit ein Strafverfahren eingeleitet und er selbst wurde am 26. Januar 1983 nach der im Gesetz vorgesehenen Ordnung zur strafrechtlichen Verantwor­tung gezogen.« (»Tiesa« / »Die Wahrheit«, Nr. 22. vom 27. 1. 1983).

Wir kennen die religiöse Tätigkeit des Priesters Svarinskas und wir sind sicher, daß er sich mit antikonstitutioneller Tätigkeit nicht beschäftigte. Für den Priester Svarinskas hat es noch keine Gerichtsverhandlung gegeben; das Gericht hat sein Wort über seine Schuld oder Unschuld noch nicht ausge­sprochen, die Presse aber und die Propagandisten haben den Priester schon verurteilt und für schuldig gefunden. Eine derartige Aktion der Propagan­disten ist gesetzeswidrig, weil die Untersuchung noch nicht zu Ende und die Schuld noch nicht festgestellt ist.

Der Priester Svarinskas gehörte zu dem Komitee der Katholiken zur Ver­teidigung der Rechte der Gläubigen, dessen Aufgabe es ist, die Gläubigen zu verteidigen, wenn ihre Rechte verletzt werden. Wir sind überzeugt, daß diesem Komitee anzugehören und die Rechte der Gläubigen zu verteidigen nicht nur kein Vergehen, sondern sogar eine erhabene und humane Arbeit ist.

Noch schlimmer: in der sowjetischen Presse erschienen in der letzten Zeit Artikel, in denen der Hl. Kasimir, der Schutzheilige Litauens, geschmäht und der Diener Gottes Erzbischof Jurgis Matulaitis-Matulevičius verleumdet und verunglimpft wird. Das ist eine offensichtliche Beleidigung der Gefühle der Gläubigen. Wir fühlen uns verpflichtet, unseren Protest zum Ausdruck zu bringen.

Wir bitten, der Verfolgung der katholischen Priester in Litauen und der Verletzungen der religiösen Überzeugungen der Gläubigen Einhalt zu ge­bieten, den Priester Alf. Svarinskas aber aus dem Gefängnis zu entlassen.

Unterzeichnet haben die Priester:

Lideikis Aloyzas        Merliūnas Petras

Abramavičius Vladas        Žukas Kazimieras

Klimavičius Alfonsas        Pridotkas Alfonsas

Skiparis Vytautas        Juškys Vladas

Mitkus Petras        Latakas Bronius

Serapinas Liudvikas        Pačinskas Juozas

Jakutis Aleksas        Gedgaudas Juozas

Radveikis Vladas        Macelis Kazimieras

Budreikis Julius        Velavičius Vincentas

Kerpauskas Anicetas        Bučinskas Jonas

Jasinevičius Jonas        Šikšnis Valentinas

Prialgauskas Kazimieras        Širvaitis Juozas

Šarkauskas Liudvikas        Ruže Pranciškus

Miklovas Juozas        Racevičius Bronius

Petronaitis Antanas        Šlevas Vladas

Skirmantas Domininkas        Jasas Petras

Bunkus Antanas        Stukas Petras

Brazdžius Bronius        Pakalniškis Jonas

Šatkus Pranas        Baškys Alfonsas

Žilis Ferdinandas        Šiurys Juozas

Gunta Juozas        Bernotas Petras

Poška Tadas        Gilys Antanas

Klebonas Vincentas        Veselis Leonas

Gasiūnas Juozas        Puidokas Klemensas

Šulcas Henrikas        Venckus Pranciškus

Jonauskas Juozas        Lukošius Jonas

Motekaitis Vytautas        Serapinas Petras

Rudzinskas Jonas        Germanas Edmundas

Bagužas Bronius        Dambraukas Liudvikas

Juškys Izidorius        Žulpa Romualdas

Tamašauskas Julijonas        Pakamanis Algirdas

Augustis Antanas        Grabauskas Juozas

Puzaras Petras        Beniušis Antanas

Palšis Petras        Alminas Adomas

Arlauskas Klemensas        Gasčiūnas Kazimieras

Senkus Vincentas        Degutis Česlovas

Pudžemis Adolfas        Ivanauskas Antanas

Petrikas Kostas        Kusas Jonas

Jurgaitis Antanas        Paliukas Jonas

Vaitelis Stanislovas        Velioniškis Konstantinas

Žukas Anupras        Rimkus Kazimieras

Garjonis Antanas        Lukoševičius Alfonsas

Giedra Domininkas        Lignugaris Petras

Gauronskis Vincentas        Riškus Antanas

Gedvilą Jonas        Maželis Juozas

Striukis Antanas        Šeškevičius Antanas

Kiela Antanas        Gauronskis Anupras

Arnašius Albinas        Zdanavičius Antanas

Ilskis Jonas        Baikauskas Jonas

Keidus Juozas        Bukauskas Juozas

Jadviršis Kostas        Vičiulis Jonas

Miškinis Julius        Orantas Aloyzas

 

Am 15. 3. 1983

 

An den Staatsanwalt der LSSR Erklärung

Wir, die unten Unterzeichneten, wollen unsere große Sorge wegen der Verhaftung des Pfarrers von Vidukle, des Priesters Alfonsas Svarinskas, zum Ausdruck bringen.

Alf. Svarinskas ist ein rechtschaffener, grundsatztreuer Mensch und ein guter Priester. Wir wissen, daß alle jene, die seine Predigten gehört haben, fest­stellen, daß er die sowjetische Ordnung nicht geschmäht und ihr Ansehen nicht beeinträchtigt hat, sondern im Rahmen der sowjetischen Verfassung jene sowjetischen Beamten kritisierte, die sich unberechtigt in die inneren

Angelegenheiten der Kirche einmischten und ohne Grund die Gläubigen beleidigten. Wir sind überrascht, daß nicht sie, sondern der Priester Alf. Svarinskas zur strafrechtlichen Verantwortung gezogen worden ist. Diese Tatsache beweist, daß die obersten sowjetischen Instanzen die Interessen und Bedürfnisse ihrer Bürger nicht beachten, daß sie die Gläubigen diskrimi­nieren, daß sie sich nicht von den allgemeinen angenommenen moralischen und humanitären Prinzipien leiten lassen und alle Konfliktfragen aus der Position der Macht heraus lösen.

Wir bitten, den Priester Alf. Svarinskas unverzüglich freizulassen, und wir sind überzeugt, daß er die Möglichkeit, sein Priesteramt auszuüben, wieder bekommen wird.

Danutė Keršiūtė        Irena Skuodienė

Genovaitė Šakalienė        Leonas Laurinskas

Marija Iešmantienė        Albertas Žilinskas

Jonas Sadūnas        Marytė Sadūnienė

Petras Cidzikas        Elena Terleckienė

Birutė Bukauskaitė        Angelė Ragaišienė

Romualdas Ragaišis        Vytautas Bogušis

 

 

 

An den Untersuchungsrichter des Staatssicherheitskomitees beim Ministerrat der LSSR Vidzenas

Kopien: an den Staatsanwalt der LSSR

an das Komitee der Katholiken zur Verteidigung der Rechte der Gläubigen

Erklärung

xdes Bürgers Simutis Liudvikas (Sohn des) Adomas, geb. 1935, verurteilt wegen antisowjetischer Tätigkeit zu 25 Jahren Freiheitsentzug, der die Jahre zwischen 1955 — 1977 im Gefängnis verbracht hat, jetzt wohnhaft in Kaunas, A. Borisos, 25-3.

Da ich zu einem Verhör in Verbindung mit dem Prozeß des Priesters Alf. Svarinskas in das Staatssicherheitskomitee vorgeladen bin, muß ich folgendes erklären:

Den Priester Alf. Svarinskas kenne ich sehr gut und sehr lange. Lange Zeit bin ich mit ihm in Gefangenschaft zusammen gewesen, wo unmenschlich schwere und grausame Lebensbedingungen besonders günstige Bedingungen

schaffen, die Menschen besser zu kennen. Von lang andauerndem Hunger und von Müdigkeit gepeinigte Menschen sind nicht mehr fähig, ihre ge­heimsten Laster wie auch ihre Tugenden zu verbergen. Meine Freundschaft mit dem Priester Alf. Svarinskas dauerte auch nach meiner Rückkehr aus der Gefangenschaft an. Deswegen kann meine Zeugenaussage über Priester Alf. Svarinskas bedeutend objektiver sein als die Aussage vieler anderer, die nur episodenweise mit ihm zusammengekommen sind.

Mit vollem Bewußtsein der juridischen Verantwortung und mit dem Gefühl der moralischen Verantwortlichkeit behaupte ich auf Grund meiner unzäh­ligen Gespräche und meiner nahen Freundschaft mit Priester Alf. Svarinskas wie auch weiterer Bekannter in Litauen, mit Entschiedenheit:

Priester Alf. Svarinskas hat niemals das Ziel gehabt, der staatlichen Unab­hängigkeit, der territorialen Integrität oder militärischen Macht der UdSSR einen Schaden zuzufügen.

Priester Alf. Svarinskas hat niemals das Ziel gehabt, durch die Mittel der Information den Interessen der UdSSR zu schaden.

Priester Alf. Svarinskas hat niemals das Ziel gehabt, der sowjetischen Re­gierung Schaden zuzufügen oder sie zu schwächen; er wollte nie durch Ver­leumdung oder Erdichtung den sowjetischen Staat und die öffentliche Ord­nung erniedrigen.

Priester Alf. Svarinskas hat weder unentgeltlich noch für Geld weder aus­ländischen noch inneren Feinden der UdSSR dienen wollen oder gedient. Priester Alf. Svarinskas wollte nicht nur ein guter, gerechter Mensch, ein guter katholischer Priester sein, sondern er war es auch. Je nach dem, wie weit er imstande war und wie er es konnte, half er den Armen und ver­teidigte die Benachteiligten. Besonders viel Kraft und Zeit widmete er dem Kampf, die Rechte der Gläubigen den Rechten der Atheisten anzugleichen, und dem Kampf gegen die Diskriminierung der Gläubigen, die die Katho­liken Litauens so schmerzlich zu fühlen bekommen.

Die einzige Energiequelle des Priesters Alf. Svarinskas und der Motor seiner aufopferungsvollen Tätigkeit war die Liebe. Da er einer der klarsten Sterne in der Katholischen Kirche Litauens nach den Zeiten von Valančius gewesen ist, blieb er trotzdem bescheiden wie selten jemand. Er hat nur das getan, was die meisten Priester Litauens tun wollten, aber sich nicht zu tun trauten, weil sie Angst hatten: Er sprach in seinen Predigten laut dar­über, worüber der größte Teil der Priester und der Gläubigen Litauens nur flüsterte. Doch darüber zu sprechen, hat ihn der größte Teil der Priester und der Gläubigen Litauens, die selber wegen Mangel an Mannesmut oder Begabung nicht reden konnten, eindringlich gebeten.

Priester Alf. Svarinskas versuchte niemals, sich nach vorne zu drängeln und der Erste zu sein. Aber in seiner Umgebung, wo die Menschen noch von der Angst gefesselt sind, die ihnen in den schrecklichen Zeiten Stalins und Berijąs eingejagt worden ist, wo die Menschen bis jetzt noch nicht fähig sind, zu glauben, daß die sowjetische Regierung schon menschlicher geworden ist (und wie man sieht, auch nicht ohne Grund, wenn heute eine Festnahme eines solchen edlen Menschen wie des Priesters Alf. Svarinskas noch möglich ist!), in solcher Umgebung war Priester Alf. Svarinskas — auch aus Furcht — sehr oft der Erste! Aber nicht aus der die anderen fesselnden tierischen Angst, sondern aus der Furcht vor Gott! Er, der festen Glaubens war, ließ sich beinahe niemals von der tierischen Angst überwältigen, er fürchtete aber ständig, durch Schweigen und Nichtstun den verbrecherischen Taten zuzu­stimmen, er fürchtete durch das Schweigen Gott dort zu beleidigen, wo das Gewissen verlangt, nicht nur zu reden, sondern aus ganzer Kehle zu schreien.

Wo immer der Priester Alf. Svarinskas sein Priesteramt ausgeübt hat, ver­diente er durch sein Leben und Handeln eine besondere Verehrung und Liebe nicht nur bei den Gläubigen, sondern sogar bei den meisten Ungläu­bigen. Der Ruf von seiner mannhaften Güte verbreitete sich durch ganz Litauen und sogar über die Grenzen Litauens.

Im Lichte einer begnadeten Güte erscheint die gewöhnliche menschliche Güte wie unsichtbar; sie gerät in ihren Schatten oder sie wird sogar dem Bösen ähnlich. Daß dies wahr ist, bezeugen sehr schön die Worte des dama­ligen Verwalters der Diözese Antanas Vaičius, der jetzt Bischof ist. Er meinte es nicht böse, als er am Heiligen Abend 1978 in Telšiai vor dem Gabentisch über den Priester Kauneckas sagte: ». . .Solange es keinen Prie­ster J. Kauneckas in Telšiai gegeben hat, waren für die Leute alle Priester von Telšiai gut, aber als sie den Priester J. Kauneckas gesehen hatten, waren wir, alle anderen, in den Augen der Leute nicht mehr gut.. .«

Wenn die Güte in der Nachbarschaft einer größeren Güte dem Bösen ähnlich wird, was kann man dann über das Böse selbst sagen!

Die heldenhafte Güte des Priesters Alf. Svarinskas verwirrte das Gewissen und die Vernunft bei den guten wie auch bei den bösen Menschen. Die Guten, die ihm begegneten, entzündeten sich mit dem Wunsch, noch besser " zu werden, in den bösen aber entzündet die Güte selbstverständlich nur die Gefühle des Neides und der Rache, den Wunsch sie zu vernichten, damit sie sie nicht stört, böse zu sein und trotzdem als gut zu erscheinen.

Die Verhaftung des Priesters Alf. Svarinskas und der Versuch, ihn als Ver­brecher hinzustellen, ist das Ergebnis eines grausamen Lasters der bösen Menschen — der Rache, und zwar der Rache derer, die selbstherrlich und ungezügelt die sowjetischen Gesetze und die Menschlichkeit verletzen.

Es ist kein Geheimnis mehr, daß die sowjetischen Tschekisten viele Fehler gemacht haben. Als Ergebnis dieser Fehler sind Tuchatschewskij, Usorewitsch und viele andere ums Leben gekommen; unzählige Menschen wurden durch diesen Irrtum ins Gefängnis gebracht. Ich bin vollkommen überzeugt, daß die Verhaftung des Priesters Alf. Svarinskas und die Bemühungen, einen Prozeß gegen ihn anzustrengen, einer der neuesten und einer der grausamsten Fehler der Tschekisten ist, der leider schon gemacht ist, den gutzumachen aber noch die Möglichkeit besteht.

Ich habe mich über das StGB der LSSR in Kenntnis gesetzt und ich weiß, daß ich wegen der Weigerung, als Zeuge aufzutreten, verurteilt werden kann. Es ist aber nicht meine Schuld, daß die Gesetzgeber im sowjetischen Staate die geistigen Bedürfnisse der Gläubigen ignorieren. Ich kann als Mensch und Christ den Versuch, mich zum Zeugen im Prozeß gegen Priester Alf. Svarinskas zu machen, nur als unverdiente Beleidigung des Priesters Alf. Svarinskas und meiner selbst einschätzen, weil es klar ist, daß in diesem Prozeß die Untersuchungsrichter nur eine Unterstützung suchen können, die guten Taten und Worte des Priesters Alf. Svarinskas als verbrecherisch hin­zustellen.

Alles, was ich im Prozeß gegen Priester Alf. Svarinskas zu sagen gehabt hätte, habe ich in dieser Erklärung dargelegt. Da der Priester Alf. Svarinskas ganz unschuldig ist, weigere ich mich, ungeachtet der möglichen grausamen Folgen für mich und meine Familie, in diesem Prozeß genauer ausgefragt zu werden. Sollte das aber als Meineid abqualifiziert werden und deswegen gegen mich ein Strafverfahren eingeleitet werden, dann werde ich alle hier dargelegten Behauptungen mit zahlreichen und aussagekräftigen Tatsachen veranschaulichen können.

Am 16. März 1983.        L. Simutis

Irgendwo sind die Wiesen geblieben, Irgendwo blieb auch das Grün ... Wiederhole dir, wiederhole nur, Wiederhole nur, daß es das gibt, Wiederhole nur wie ein Sakrament, Wiederhole dir nur — Litauen

Hier sind — einzig drei Schritte Die Entfernung von Wand zu Wand. Irgendwo hinter der kalten Mauer, Irgendwo draußen im Mondenschein, Im Schein des Mondes — Litauen.

Dort blieben irgendwo Menschen,

Sie erwarten irgendwas von mir,

Dieses Gesicht so voller Blässe ...

Bist es Du, bist Du hier, o Christus,

Dein Blick, wo verschwand er, der mir gab Geleit?

 

War ich wirklich ein guter Kämpfer? Hab ich wirklich auch richtig geliebt? Ist es denn das, was Du von mir wolltest? Antworte mir, Erlöser!

Sage mir, schweige nur nicht, laß mich nicht allein.

 

O Menschen, Menschen, Menschen, War ich Euch irgendwie von Nutzen? Hab ich Euch irgendwie geholfen: Sage es mir, und schweige nicht, Hast Du Dir das alles gewünscht? Hast Du Dir das alles gewünscht?

Priester Alfonsas Svarinskas wurde am 21. 1. 1925 im Bezirk Ukmergė, Ge­meinde Deltuva, Dorf Kadrėnai geboren. Er besuchte die Volksschule von Vidiškės und das Progymnasium von Deltuva. Er trat dann in das Lehrer­seminar von Ukmergė ein, schloß es aber nicht ab. Es gefiel ihm dort nicht. Im Jahre 1943 trat er in den ersten Vorbereitungskurs für das Philosophie­studium ein. Das Priesterseminar kann er leider nicht mehr abschließen — am 31. Dezember 1946 wird er verhaftet, grausam verhört, und später in Speziallagern gefangengehalten, wo er lange Zeit als Sanitäter arbeitete. Für diese Arbeit wurde Alf. Svarinskas in die Abteilungen der Schwerst­kranken geschickt, aber auch hier war er fähig, immer mit einem Lächeln, eine gemeinsame Sprache mit den hoffnungslosen Kranken zu finden. Er kannte jeden: er wußte, wer was benötigte, wem was weh tat, und er eilte zu jedem mit seiner wirkungsvollen Hilfe — er besaß eine außerordentliche Gabe, mit Menschen umzugehen. Wegen seiner Fähigkeit, alles, was er besaß oder bekam, mit anderen zu teilen, wurde er sehr verehrt. Er pflegte Freund­schaften mit Fachleuten aus allen Gebieten im Lager zu unterhalten. Auf diese Weise erlangte er ein nicht alltägliches Lebensdiplom; er wurde zu einer kleinen wandelnden Enzyklopädie. Vom frühen Morgen an (oft nach einer gewissenhaft durchwachten Nacht) bis zum späten Abend war Alf. Svarinskas überall zu finden, wo eine helfende Hand, ein ermutigendes Wort oder ein Rat nötig war. Als nicht kleinlich und unschikanös hatten ihn alle gern, sogar auch die Diebe, — denn es kam vor, daß sie manchmal Grütze kochten und ihn dann auch zu sich einluden. Es war ihnen angenehm, ihn unter sich zu haben. In den prinzipiellen Fragen zeigte sich Alf. Svarinskas unbrechbar. In einem Brief an seine Eltern schrieb er aus dem Lager Inta am 17. 11. 1948:

»Und wenn ich auch untergehe, o Heimat, sollst wissen, daß ich starb für die Freiheit mit einem Lied.. . Und am Grab brauchst du nicht um mich weinen, Weine nicht, weine nicht, liebes Mütterlein.

Liebe Eltern, dies möge für Euch zum Trost und zur Erinnerung sein.«

Nach dem Tode Stalins, als sich die Verwaltung an die Rechte der Gefan­genen »erinnert« hatte, begann Alf. Svarinskas zu fordern, man müsse die bis jetzt nur auf dem Papier proklamierte Religionsfreiheit in der Praxis verwirklichen; damals verspürten alle Gefangenen die außerordentliche Kühnheit des Priesters Alf. Svarinskas.

So hat er sich vorbereitet und in schmerzvoller Erprobung seine geistige Reife bewiesen; deshalb bekam Alf. Svarinskas am 3. Oktober 1954 im Lager in Abes vom Bischof Ramanauskas die Priesterweihe.

Im Jahre 1956 wurde Priester Alf. Svarinskas entlassen und er kehrte nach Litauen zurück. Manche der Formalisten begegneten dem Lagerpriester un­freundlich; es fehlte aber auch nicht, wie er selbst bestätigte, an wahrhaftigen Christen, die den neuen Mitbruder mit Liebe in ihre Familie aufnahmen. Um die einen und die anderen zufrieden zu stellen, wurde Priester Alf. Svarinskas zum Vikar von Kulautuva ernannt. Hier arbeitet er mit ganzem Herzen als Vikar, tut viel, um die Umgebung der Kirche zu verschönern; er erweitert seine apostolische Tätigkeit — die reichhaltige persönliche Bibliothek des Priesters Alf. Svarinskas zieht die Erholungsuchenden ver­schiedener Nationen an (zu der Zeit war in Kulautuva ein Sanatorium für die ganze Sowjetunion). Wenn die Schüler, nicht selten einer mit einem ihm durch Nötigung aufgezwungenen Kommjugendabzeichen, den um die Kirche arbeitenden jungen Priester sehen und freundlich von ihm angesprochen werden, greifen sie selber zu Spaten oder Waschlappen (zum Fußboden­waschen) und helfen dem Vikar. An den Abenden versammelt sich die Jugend in seinem kleinen Zimmer, um sich zu unterhalten und zu disku­tieren. Es entstanden herzliche, veredelnde und stärkende Freundschaften, die für lange Jahre einen unaustilgbaren Eindruck zurückgelassen haben. Solche Tätigkeit des Priesters Alf. Svarinskas fand bei der Regierung keinen Gefallen, aber sie fürchteten sich, ihn in Kulautuva zu verhaften, wo ihn alle schon gut kannten und an ihm hingen. Deswegen versetzten sie ihn 1958 in die größere Pfarrei Betygala. Während seiner Vikartätigkeit in Be­tygala beginnt er wieder, nach Seelen suchend, sich unter die Menschen zu mischen. Hier ist eine kleine Episode, die veranschaulicht, wie dieser Priester sich bemühte, die Menschen für Gott zu gewinnen:

Einmal fragte der Priester Alf. Svarinskas einen Pfarrangehörigen, warum er nicht in der Kirche gewesen sei. Dieser rechtfertigte sich, daß er verschlafen habe, weil er keine Uhr besitze. Bald darauf brachte ihm der Vikar eine Uhr und schenkte sie ihm, damit er die Hl. Messe nicht mehr verschlafe. In Betygala arbeitete er nur zwei Monate lang.

Noch heute erinnern sich die Gläubigen, wie man den verhafteten Priester Alf. Svarinskas in einen Schlitten zwischen bewaffnete Männer setzte. Als das Pferd plötzlich zur Seite sprang, kippte der Schlitten auf die Seite und warf einen Milizmann hinaus, der neben dem Priester saß. Der Verhaftete aber griff dem herausfallenden Milizmann unter die Arme und ließ ihn nicht stürzen. Die Pfarrkinder waren verblüfft über solche Liebe des Priesters, die er auch dem Gegner erwies.

Man klagte den Priester Alf. Svarinskas der antisowjetischen Tätigkeit an. Es sollten drei Zeugen antreten, aber zwei von ihnen weigerten sich, und so blieb die Sekretärin der Kommjugend von Kaunas Malinauskaitė als einzige Zeugin. Sie sagte während der Gerichtsverhandlung aus, daß der Priester in der Kirche von Kulautuva in ihrer Anwesenheit in der Predigt gegen die Regierung gesprochen hatte. Obwohl es in Wirklichkeit an jenem Tag überhaupt keine Predigt gab, sondern nur das Evangelium vorgelesen worden war, »überzeugte« Malinauskaitė das Gericht, daß sie die Wahrheit sage. Das Gericht verurteilte ihn zu 6 Jahren Lager.

Nach dem Gerichtsurteil wurde der Mutter und den Angehörigen erlaubt, sich mit dem Verurteilten zu unterhalten. Er wirkte besonders fröhlich, wie bei der besten Bewirtung.

Die Umgebung der apostolischen Tätigkeit wechselt nun zwischen Gefäng­niszelle, Arbeitszimmer des Untersuchungsrichters und Lagerbaracke. Auch hier erwirbt er sich Verehrung. Beim Dienstwechsel im Korridor machte der Diensthabende den Ablösenden darauf aufmerksam: »Und hier, in der  Einzelzelle, — das ist ein Pope. Mach keinen Lärm — er betet ständig.« Als einmal das Verhör etwas länger dauerte, wandte sich Priester Alf. Sva­rinskas an den Untersuchungsrichter, daß jetzt für ihn die Zeit zum Beten gekommen sei. Nach einigen Tagen schlug ihm zu derselben Zeit der Unter­suchungsrichter schon selbst vor: »Na, und jetzt ist, glaube ich, für Sie die Zeit zum Beten.«

Einmal beschloß die Lagerverwaltung, den Wirkungskreis der apostolischen Tätigkeit des Priesters Alf. Svarinskas einzuschränken und schloß ihn in ein kleines Lager ein, das für besonders gefährliche Personen bestimmt war, die einen »negativen« Einfluß auf andere Gefangene haben könnten. Hier begegnete Priester Alf. Svarinskas einer Reihe von eifrigen Priestern, unter ihnen dem Metropoliten der Unierten Kirche der Ukraine J. Slipyi, der später zum Kardinal erhoben wurde.

Einmal wandte sich der Lagervorsteher an Priester Alf. Svarinskas: »Al­fonsas, bete für mich. Ich habe jetzt große Schwierigkeiten.« »Ich bete immer für Sie, Vorsteher«, antwortete Priester Alf. Svarinskas, »nur, wenn ich bis jetzt für Sie als meinen Feind gebetet habe, so werde ich ab heute für Sie wie für einen Freund beten.«

1964 wird Priester Alf. Svarinskas in die Freiheit entlassen und beginnt in der kleinen Pfarrei Miroslavas in Dzūkija zu arbeiten; gleichzeitig setzt er sein Studium fort. Für große Menschen gibt es keine unbedeutende Tätig­keit. Überall wo Priester Alf. Svarinskas arbeitet, dort werden die Menschen zu eifrigeren Christen, zu Litauern, die ihre nationale Individualität tiefer erleben.

Im Jahre 1971 wird er Pfarrer in der Pfarrei Igliauka. Auch wenn an den gewöhnlichen Wochentagen zur Hl. Messe nur einige alte Frauen kamen, brannten in der Kirche alle Kerzen, und der Priester feierte die Gottes­dienste so sorgfältig, wie wenn die Kirche voll von Menschen wäre. Seine Predigten sind inhaltsvoll und sorgfältig vorbereitet, wenn sie auch nur wenige Menschen anhören. Und seine Bemühungen brachten ihre Früchte: Die Leute begannen immer öfter und bewußter die neu restaurierte Kirche zu besuchen, und auch die Jugend geriet in Bewegung.

In den Jahren 1970-71 werden in Litauen wegen des Religionsunterrichtes der Kinder die Priester Antanas Šeškevičius, Juozas Zdebskis und Prosperas Bubnys verurteilt — die Atheisten triumphieren. Aber zu dieser Zeit er­klingt die mutige Stimme des Priesters Alf. Svarinskas. Die Gläubigen empfangen feierlich in der Kirche von Igliauka die aus dem Gefängnis zu­rückgekommenen Priester. Immer mehr Jugend sammelt sich um den Altar. Der Sicherheitsdienst wird wütend. Eine ganze Brigade von Verhörem kommt und beschuldigt den Priester Alf. Svarinskas der Herausgabe der »Chronik der LKK«: »Soweit uns bekannt ist, gibst Du die >Chronik der LKK< heraus!« — fielen die Tschekisten ihn an. »Und wo sind die Be­weise?« — fragt der Priester Alf. Svarinskas. »Bislang ist das ein Geheimnis unserer Operativabteilung«, antworten die KGB-Männer. »Wir werden uns also darüber erst dann unterhalten, wenn man das nicht mehr geheimhalten muß«, beruhigt Priester Alf. Svarinskas die Tschekisten. Das Verhör endet mit dem strengen Verbot, jemandem darüber das leiseste Wort zu sagen. Priester Alf. Svarinskas ist aber unbeugsam und sagt das, was er denkt: »Jeder Überfallene hat das Recht sich zu verteidigen, heute noch wird die ganze Pfarrei erfahren, wer zu welchem Zweck nach Igliauka gekommen ist«, versichert Priester Alf. Svarinskas den Tschekisten. Während des Abendgottesdienstes erzählte der Pfarrer offen den Gläubigen von den Ab­sichten der Sicherheitsbeamten. Die Reaktion war spontan: Jeder wollte den Pfarrer verteidigen, so gut er nur konnte. Einen Tag später gab es in Igliauka keinen einzigen Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes mehr..., die Sorge des KGB aber, wie man mit dem Priester fertigwerden könne, blieb auch weiterhin.

1976 wird der Priester Alf. Svarinskas zum Pfarrer der großen Pfarrei Viduklė ernannt, wo die Seelsorgearbeit seine ganze Kraft und Zeit in An­spruch nahm; die Kirche braucht eine dringende totale Reparatur. Sieben Jahre später ist jeder Einwohner von Viduklė, wo immer er auch leben mag, stolz auf seine berühmt gewordene Pfarrei. Auf Initiative des Priesters Alf. Svarinskas werden in Viduklė wie auch anderswo wieder die Märtyrer Litauens, die nach 23 oder 35 Jahren Gefangenschaft nach Litauen zurück­kommen, feierlich und warmherzig empfangen ...

»Es juckt den Sicherheitsdienst, mich fertig zu machen. Was können sie aber mit mir machen? Mich ins Gefängnis sperren? — Dort werden die Priester ebenfalls gebraucht. Mich aufhängen? — ich wäre dadurch nur dem Himmel näher. Wir brauchen am dringendsten Märtyrer! Die Ideen, für die Menschen sterben, die sterben nicht«, sprach Priester Alf. Svarinskas in der Freiheit.

Priester Alf. Svarinskas — das ist ein mutiger Leuchtturm der Selbstauf­opferung, der mitten auf dem Weg Litauens der ganzen geliebten Heimat leuchtet.