Telšiai

In der Nacht zum 9. Juli 1983 haben unbekannte Übeltäter wieder die am Kirchhof stehende Säulenkapelle ausgeraubt und die neu hineingestellte Sta­tuette des Schmerzensmannes gestohlen.

Viešvėnai (Rayon Telšiai)

In der Nacht vom 20. zum 21. April 1983 wurden aus einem Kapellchen vom Kirchhof der Kirche von Viešvėnai Statuetten zweier kniender Engel­chen und der Schmerzhaften Muttergottes entwendet. Es handelt sich um holzgeschnitzte Figuren eines unbekannten Volkskünstlers.

Plungė

Priester Ignacas Zeberskis, der das Priesterseminar durch Fernunterricht abgeschlossen hat und als Helfer des Organisten der Kirche von Plunge tätig war, half immer dem Pfarrer der Pfarrei, Kanonikus Gasčiūnas, in der Seelsorgearbeit. Anfang des Jahres 1982 wandte sich der Pfarrer von Plunge, Kanonikus Gasčiūnas, an die Kurie mit der Bitte, bei dem Bevollmächtigten des Rates für Religionsangelegenheiten, Petras Anilionis, wegen der Ein­stellung des Priesters I. Žeberskis als Vikar zu vermitteln. P. Anilionis drohte dem Bischof, daß er alle solche Kirchen schließen werde, an denen Priester wie I. Žeberskis tätig sein werden, solche also, die keine Zulassung von der Regierung besitzen.

Als Antwort auf dieses Gesuch schickte P. Anilionis ein Schreiben an das Komitee der Kirche von Plunge und an den Pfarrer, in dem er droht, die Kirche von Plunge zu schließen, wenn der Priester I. Zeberskis auch weiter dort tätig bleiben werde.

P. Anilionis schlug dem Bischof vor, den Priester I. Zeberskis wieder in das Priesterseminar nach Kaunas oder nach Riga zu schicken und ihn noch einmal zum Priester zu weihen. Der genannte Priester ist schon beinahe 60 Jahre alt.

Skardupiai (Rayon Kapsukas)

Am 28. Juli 1983 wurden in der Kirche zu Skardupiai die Kinder für die Erste Beichte und die Erstkommunion geprüft, und gleichzeitig wurden die Anmeldekarten für das Sakrament der Firmung ausgegeben. Da kamen der Vorsitzende des Rayonexekutivkomitees von Kapsukas, Merkevičius, der Leiter der Bildungsabteilung und noch einige andere Personen in die Kirche und griffen den Pfarrer der Pfarrei, Priester Boleslovas Čegelskas, an, weil er die Kinder unterrichtete. »Ich habe bis jetzt unterrichtet und ich werde auch weiterhin unterrichten«, erwiderte der Pfarrer und verlangte gleich­zeitig, daß die Beamten die Kinder nicht ängstigen, sondern das Gotteshaus verlassen sollten.

Etwas später kamen wegen dieses Vorfalls Beamte der Miliz, des Exekutiv­komitees und, wie sie sich vorstellten, sogar der Staatsanwaltschaft in die Pfarrei Skardupiai. Die Kinder wurden verhört und geängstigt, ihre Eltern, die Mitglieder des Kirchenkomitees und auch der Priester B. Čegelskas blieben ebenfalls nicht ungeschoren.

Am 23. August wurde der Pfarrer der Pfarrei, Priester B. Čegelskas, mit einer Administrativstrafe von 20 Rubel bestraft.

Molėtai

Am 1. Juli 1983 kamen die Sekretärin des Exekutivkomitees der Stadt, Dauborienė, die Versicherungsinspektorin Ustinčiukienė und eine Mitarbei­terin der Miliz in die Kirche von Molėtai. Die Kommission fand Stasė Rokaitė in der Kirche, die eine Schar von Kindern zur ersten Kommunion vorberei­tete. Die »Besucher« stellten ihr wegen dieses »Vergehens« eine Akte zu­sammen.

Am 10. September wurde Stasė Rokaitė zum Staatsanwalt Besusparis vor­geladen. Am selben Tagen waren auch die Schüler der Klasse IV b Kava­liauskaitė, Bastijokaitė, Tarvydas, Meškėnas, Gaivelis und noch andere vor­geladen, die am 1. Juli in der Kirche angetroffen wurden. Die Kinder wurden über Stasė Rokaitė befragt; man wollte wissen, wer sie in Glaubenswahr­heiten unterrichtet und ihnen die Katechismen gegeben habe ...

Am 19. September bestrafte die Administrativkommission Stasė Rokaitė mit einer Strafe von 50 Rubel und schärfte ihr ein, solche »Vergehen« nicht mehr zu wiederholen.

Telšiai

Seit 1981 wird die Konzertmeisterin an der Kulturschule zu Telšiai, Zita Vasauskienė, verfolgt, denn das KGB hat erfahren, daß sie hin und wieder in der Kathedrale von Telšiai Orgel spielt. Gerade kurz vor Weihnachten 1981 wurde sie im Amtssitz des Rayonexekutivkomitees ermahnt, daß sie während der Feiertage nicht in der Kathedrale die Orgel spielen solle. Der Stellvertreter Jankus drohte Frau Vasauskienė: »Wenn Du auch weiter den Chor der Kathedrale leitest, lassen wir Dich nicht mehr an der Kulturschule arbeiten. Du hast die Wahl — entweder die Schule, oder Du gehst in die Kirche arbeiten.« Jede Erklärung von Z. Vasauskienė, daß sie nur in ihrer Freizeit in der Kathedrale die Orgel spiele, blieb erfolglos. Da Z. Vasaus­kiene sich nicht weigerte, in der Kathedrale Orgel zu spielen, wurde ihr die Zahl der Unterrichtsstunden an der Kulturstufe ab 1. September 1982 bis auf die Hälfte reduziert, und ab 1. Mai 1983 wurde sie, weil sie »die Auf­gaben der kommunistischen Arbeit nicht erfüllt«, aus ihrer Arbeit entlassen. Z. Vasauskienė wurde außerdem beschuldigt, daß sie die Ablaßfeiern und den Berg der Mädchen besucht. Zur Zeit wird ihr nicht erlaubt, in der Abteilung für Fernunterricht am Konservatorium zu Klaipėda das Studium fortzusetzen.

Kelmė

Währed der Ablaßfeier der Pfarrei Žalpiai im Rayon Kelmė wurden am 29. Mai 1983 Unterschriften für Protestschreiben gegen die Verurteilung des

Priesters Alfonsas Svarinskas und gegen die Festnahme des Priesters Sigitas Tamkevičius gesammelt. Nach dem Hochamt kam der angetrunkene Tsche-kist Lapinskas in die Kirche und versuchte, Arvydas Juška den Text des Protestschreibens samt den Unterschriften mit Gewalt wegzunehmen. Des­wegen wurde er von den Leuten zusammengeschlagen. Noch am selben Tag begann die Miliz und der Sicherheitsdienst, nach den Schuldigen zu suchen. Zu diesem Zweck kam der Rayonstaatsanwalt am Sonntagabend zum Pfarrer der Pfarrei. Auf dem Busbahnhof von Kelmė wurden die Orga­nistin der Pfarrei Žalpiai, Regina Teresiūtė, und die Jungmänner Arvydas Juška und Alvydas Vainoras, die die Unterschriften gesammelt hatten, fest­genommen. Sie wurden alle lügenhaft des Organisierens der Schlägerei be­schuldigt. Die Milizbeamten stießen die festgenommenen Jugendlichen, drehten ihnen die Hände herum und verspotteten sie. A. Juška und A. Vainoras wurden vernommen und am nächsten Tag freigelassen; R. Tere­siūtė dagegen wurde drei Tage lang verhört. Sie wurde Säuferin genannt und man drohte ihr, sie in das psychiatrische Krankenhaus einzuliefern; einen ganzen Tag lang wurde mit ihr in der Zelle eine kriminelle Dauer-raucherin untergebracht. Als R. Teresiūtė die Beamten bat, sie möchten ihr doch verbieten, so viel zu rauchen, spotteten die Milizmänner nur darüber.

Am 30. Mai 1983 wurde bei R. Teresiūtė, wohnhaft in Kelmė, Laisvės 11, eine Hausdurchsuchung gemacht. Die Hausdurchsuchung wurde durchge­führt, ohne daß ein Durchsuchungsbefehl vorlag, und zwar in Abwesenheit von R. Teresiūtė. Der Zweck der Durchsuchung: die Schreibmaschine und den Vervielfältigungsapparat mitzunehmen. Die Durchsuchung führten zwei Milizmänner und drei Beamte des Sicherheitsdienstes durch. Weitere drei sind nur von Zeit zu Zeit dabei gewesen. Als den Tschekisten keine Schlüssel ausgehäsdigt wurden, machten sie die Tür des Korridors mit eigenen Schlüs­seln auf. In die Zimmer mußten sie durch die Fenster hineinklettern. Mit­genommen wurden: ein Kassettenmagnetophongerät »Sonij«, 11 Magneto­phonkassetten, Fotoapparate »Zorkij« und »Fedmikron«, Protestschreiben an den Generalstaatsanwalt der UdSSR (8 Exemplare), eine Erklärung an das Präsidium des Obersten Rates der LSSR (2 Exemplare), 12 Blätter mit Gedichten, 3 Hefte mit Texten, 1 Paket Schreibpapier, 4 Kassetten, die für eine Schreibmaschine vorgesehen waren, 1 Paket Kopierpapier, 26 Filme für Fotokameras, 27 Aufnahmen des Priesters A. Svarinskas, 3 Gruppen­aufnahmen, ein kleiner Kalender, 20 mit der Schreibmaschine abgeschrie­bene Bücher, 180 Blätter mit verschiedenen Texten mit der Schreibmaschine geschrieben, 4 Dias. Die Tschekisten kamen auch am 31. Mai, um die Durch­suchung weiterzuführen. Mitgenommen wurden: die im Untergrund heraus­gegebene Veröffentlichung »Alma mater« und ein Fotolineal. R. Teresiūtė weigerte sich, während des Verhörs über die mitgenommenen Sachen zu sprechen mit der Begründung, daß die Durchsuchung ohne ihr Wissen ge­macht worden sei. Die Sicherheitsbeamten boten R. Teresiūtė an, ihre An­schauungen zu ändern, mit ihnen zu arbeiten und sie versprachen ihr die Erlaubnis zum Besuch einer Schule. R. Teresiūtė hatte einen Hungerstreik vom ersten Verhandlungstag bis zum Schluß angekündigt.

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